40px-Img_Men%C3%BC_wei%C3%9F.png
≡ Menü
40px-80px-Img_Eintrag_orange_grau.png
Eintrag


Das Ende einer Ära? Pferde-Brandzeichen sind zu oft unleserlich

Aus Pferde-Zucht-Sport
Wechseln zu:Navigation, Suche

Das Ende einer Ära? Pferde-Brandzeichen sind zu oft unleserlich

Pressemitteilung vom 24.08.2012 - 08.48 - Veterinärmedizinische Universität Wien

(idw) Das Ende einer Ära? Pferde-Brandzeichen sind zu oft unleserlich


Nutztiere, Pferde und Haustiere einzeln korrekt identifizieren zu können, ist aus einer Vielzahl von Gründen wichtig. So sind Züchter darauf angewiesen, die ausgewählten Zuchttiere verlässlich zu erkennen, genauso wie Tierärzte bei der Bekämpfung von Seuchen. Im Pferdesport verhindert die eindeutige Kennzeichnung von Tieren Betrug, auch beim Verkauf eines Tieres ist eine unverwechselbare Identifizierung wichtig.

Fohlenbrennen in vielen EU-Ländern abgeschafft

Traditionellerweise werden große Nutztiere mit Brandzeichen oder Ohrmarken gekennzeichnet, kleinere Tiere wie Hunde und Katzen wird ein Chip implantiert. Pferde wurden bisher generell mit Brandzeichen versehen. Jedoch mehren sich Stimmen, die diese Methode der Kennzeichnung als nicht mit dem Tierschutz vereinbar ansehen, deshalb werden immer mehr Pferde stattdessen mit Chips versehen. In der Europäischen Union ist Chippen von Pferden zwar inzwischen vorgeschrieben, , dennoch akzeptieren einige Länder nach wie vor zusätzlich Brandzeichen. Von deutschen und österreichischen Zuchtverbänden werden Brandzeichen als für die Kennzeichnung einzelner Tiere ausreichend angesehen, was Züchtern unter anderem die Anschaffung teurer Chip-Ausrüstung erspart.

Stress der Tiere bereits untersucht

Bisherige Untersuchungen konzentrierten sich darauf, zu bestimmen, wie viel Stress Pferde entweder beim Anbringen von Brandzeichen oder beim Chippen erleben. Überraschenderweise hat aber noch niemand das Thema von der anderen Seite her betrachtet: Untersuchungen legen nahe, das Chips die Tiere gut unterscheidbar machen, aber wie gut sind eigentlich Brandzeichen lesbar? Genau diese Frage haben nun Jörg und Christine Aurich von der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) untersucht.

Nummern sind unleserlich

Brandzeichen bestehen in Deutschland und Österreich üblicherweise aus einem Symbol für die Pferderasse und einer mehrstelligen Nummer, die das einzelne Tier bezeichnet. Um die Leserlichkeit der Markierungen zu bestimmen, hatten die Forschenden drei erfahrene Personen gebeten, die Brandzeichen von etwa 250 Pferden zu notieren, die an einem Turnier in Deutschland teilgenommen hatten. Jeder der drei Tester erkannte 90 Prozent der Rassesymbole richtig, bei 84 Prozent aller Pferde notierten sie daher übereinstimmend die richtige Rasse. Im Fall der zweistelligen Nummern lag der Fall jedoch völlig anders. Nur bei etwa der Hälfte der Tiere konnte jede der drei Testpersonen die Zahlen korrekt lesen. Die Quote der von allen dreien richtig notierten Nummern lag bei noch niedrigeren 40 Prozent.

Brandzeichnen schwer zu entziffern

Um die Leserlichkeit von Brandzeichen unter möglichst optimalen Bedingungen festzustellen, untersuchten die Forschenden die Markierungen bei insgesamt 28 weiteren Pferden, die aus Gründen eingeschläfert werden mussten, die nicht mit den Brandzeichen zu tun hatten. Hier konnten bei nur neun Tieren die Nummern korrekt identifiziert werden. Bei sechs Pferden konnten weder die Nummer noch das Rassesymbol entziffert werden, auch nicht, nachdem die betreffende Hautstelle rasiert worden war. Diese Ergebnisse bestätigen die unzuverlässige Kennzeichnung von Pferden durch Brandzeichen.

Deutliche Gewebeschäden

Gleichzeitig untersuchten die Forschenden die Haut unter den Brandzeichen auf Gewebeschäden. Fast alle Tiere wiesen dort deutliche Gewebeschäden auf, die auf abgeheilte Verbrennungen dritten Grades hinwiesen. Jörg Aurich fasst die Ergebnisse knapp zusammen: „Beim Fohlenbrennen entstehen in jedem Fall deutliche lokale Gewebeschäden, und die eingebrannten Zeichen sind später sogar von erfahrenen Personen schwer zu entziffern. Eigentlich gibt es keinen Grund mehr, die Tiere weiterhin mit dieser überholten Methode zu kennzeichnen.“

Der Artikel “Readability of branding symbols in horses and histomorphological alterations at the branding site” von Jörg Aurich, Peter Wohlsein, Manuela Wulf, Marina Nees, Wolfgang Baumgärtner, Mareike Becker-Birck und Christine Aurich wurde soeben online in der Zeitschrift „The Veterinary Journal“ veröffentlicht. Die Tests für die Studie wurden am Graf Lehndorff Institute für Pferdewissenschaften durchgeführt, einer gemeinsamen Forschungseinrichtung der Veterinärmedizinischen Universität Wien und des Brandenburgischen Haupt- und Landgestüts Neustadt (Dosse, D). Die Autopsien wurden am Institut für Pathologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (D) gemacht.


Weitere Informationen

Zusammenfassung des wissenschaftlichen Artikels online (Volltext gegen Entgelt oder Subskription): http://dx.doi.org/10.1016/j.tvjl.2012.07.006

Rückfragehinweis - O.Univ.Prof. Dr. Jörg Aurich Abteilung für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie Veterinärmedizinische Universität Wien T +43 1 25077-5400 joerg.aurich@vetmeduni.ac.at

Aussender - Mag. Klaus Wassermann Public Relations/Wissenschaftskommunikation Veterinärmedizinische Universität Wien T +43 1 25077-1153 klaus.wassermann@vetmeduni.ac.at



Quellen

Weitere Pressemitteilungen siehe

Kategorie:pressrelations.de


zurueck zurück

Lizenz/Quelle/Urheber

© Diese Datei ist urheberrechtlich geschützt . Jede Art der Kopie, Veröffentlichung oder Modifizierung erfordert die Erlaubnis des Copyright-Inhabers.

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen kostenpflichtigen Bedingungen.

pressrelations GmbH- alle Rechte vorbehalten

https://www.pressrelations.de/de/

Link zur Pressemitteilung: http://www.pressrelations.de/new/standard/dereferrer.cfm?r=505434 >> PDF